Wenn die Pforten des Deutschen Historischen Museums in Berlin geschlossen werden, sich die Dämmerung in den Räumen und Gängen ausbreitet und eine große Stille herrscht, dann beginnen die sieben kurzen Erzählungen in Hartmut Langes neuem Buch "Im Museum". Es sind Erzählungen des sanften Horrors, der Schrecken bleibt begrenzt. Es sind aber auch Geschichten, die von einem stillen Leid der Protagonisten erzählen.
Verlaufen im Labyrinth
Eine Angestellte des Museums sucht ihren Sohn, der sich in den Gängen des riesigen Gebäudes verirrt hat, ein Besucher findet den Ausgang nicht mehr, eine Fotografie wird immer wieder mit Kommentaren versehen. Noch phantastischer wird es, wenn historische Figuren zu neuem Leben erweckt werden und eine Unterhaltung mit dem Personal und den Besuchern beginnen. Ein Stasi-Leutnant begegnet da dem Leser ebenso wie Adolf Hitler.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Traurige Gestalten sind es, die Hartmut Langes Geschichten bevölkern, eine schöne Melancholie schwingt durch die Räume - sie überträgt sich wie von selbst auf den Leser. Man kennt diese Stimmung und Atmosphäre aus den früheren meist längeren Novellen des Autors. Angerissene Geschichten, in denen Menschen plötzlich verschwinden oder sich verirren. Nicht aufgelöste Skizzen, die immer ein letztes Rätsel bestehen lassen, in denen ein lichter Freiraum bleibt, den der Leser auszufüllen hat.
In der Zwischenwelt
Ein wenig ungelenker als sonst führt Hartmut Lange diesmal in seine Erzählungen ein, ein wenig zu oft werden die ganz konkreten Gegebenheiten des Deutschen Historischen Museums beschrieben. Doch sieht man einmal davon ab, dann begibt man sich gern wieder in den so vertrauten und immer wieder reizvollen Kosmos des Autors. Wie Hartmut Lange es versteht, den Leser mit ganz wenigen Strichen, mit ebenso schlichter wie kunstvoller Sprache und langen wie eleganten Satzkonstruktionen hineinzuziehen in die Zwischenwelt aus Lebenden und Toten, das hat großen Reitz - nicht nur für die Liebhaber des sanften Horrors.
Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Sabine Oelze